Norddeutsche Wirtschaftsgespräche. Thema: "Künstliche Intelligenz in der Praxis für Wissenschaft, Wirtschaft und Politik nutzbar machen"

Die Kernfrage des Abends lautete: Wie können wir ganz praktisch die Möglichkeiten neuer Entwicklungen für uns nutzen, ohne dabei Nachhaltigkeit und Ethik auf der Strecke zu lassen.

28. November 2019

19:00 Uhr

Hamburg

Künstliche Intelligenz und was wir daraus machen

Algorithmen bestimmen zunehmend unser Leben. Wir fragten uns: Wie können wir ganz praktisch die Möglichkeiten neuer Entwicklungen für uns nutzen, ohne dabei Nachhaltigkeit und Ethik auf der Strecke zu lassen? Für unser Wirtschaftsgespräch im November 2019 luden wir daher eine Digitalisierungs- und Innovationsexpertin (Romy Möller, KSB), einen Kognitionswissenschaftler (Professor Dr. Peter König, Universität Osnabrück) und einen Wirtschaftspsychologen (Professor Dr. David Scheffer, NORDAKADEMIE) ein, um mit Professor Dr. Thomas Straubhaar (Universität Hamburg) und Gästen zu diskutieren. Unter den 80 Teilnehmern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft waren auch, und besonders willkommen, zahlreiche Studenten der NORDAKADEMIE sowie Professor Dr. Georg Plate, Vorstandsvorsitzender der NORDAKADEMIE-Stiftung, unseres Kooperationspartners und Gastgebers in der NORDAKADEMIE Graduate School Hamburg im Dockland.

„Bisher war die KI nur im Computer. Jetzt wird sie uns überall begegnen und unser Leben verändern.“ (Professor Dr. Peter König, Kognitionswissenschaftler, Universität Osnabrück)

Künstliche Intelligenz – was steckt eigentlich dahinter? Inwieweit betrifft uns das? Und: Ist das nur wieder ein neues Buzzword, oder etwas, mit dem wir demnächst leben werden? So die einleitenden Fragen. Kognitionswissenschaftler und Startup-Gründer Professor Peter König forscht an der Universität Osnabrück schon seit Jahren an der praktischen Anwendung datenverarbeitender Systeme, etwa an selbstfahrenden Autos. Er schätzt die Situation so ein: „Wir erleben jetzt (nach den 50er und 80er Jahren) den dritten Frühling der Künstlichen Intelligenz – bisher war die KI nur im Computer. Jetzt wird sie uns überall begegnen und unser Leben verändern“.

„Es geht um KI Systeme als Assistenz für den Menschen.“ (Professor Dr. David Scheffer, Wirtschaftspsychologe, NORDAKADEMIE)

Die Studierenden bringen sich in die laufende Diskussion frühzeitig mit kritischen Fragen ein: Können wir überhaupt schon von Künstlicher Intelligenz sprechen, oder reden wir noch von Künstlicher Assistenz? Dazu äußert sich Professor Dr. David Scheffer. Der Wirtschaftspsychologe forscht an der Nordakademie unter Anderem zum Einsatz von datenverarbeitenden Systemen bei der Personalauswahl. Er sieht es als realistisch an, dass bereits in Kürze computergestützte Auswahlverfahren zumindest in bestimmten Phasen des Prozesses den Menschen ersetzen: „KI Systeme können schon heute die Personalauswahl signifikant optimieren, denn wie viele Studien und sogar sogenannte Meta-Analysen mit Millionen von Teilnehmenden ganz klar zeigen, werden besonders in der Vorauswahl und bei unstrukturierten Interviews viele Fehler gemacht. Auch die KI Systeme werden immer wieder Fehler machen - ohne den Menschen geht es also auch nicht. Es geht um KI Systeme als Assistenz für den Menschen."

„Es braucht manchmal nur einen qualitativen Impuls aus einem innovativen Unternehmen (…). Es braucht den einen Treiber, die eine Person, die Digitalisierung im Unternehmen vorantreibt.“ (Romy Möller, Head of Digitalization and Innovation, KSB)

Was Innovation und Digitalisierung betrifft, gerät Deutschland immer mehr in die Abhängigkeit ausländischer Investoren. Kommen wir da noch raus? Die Frage geht an die Innovations- und Digitalisierungsexpertin Romy Möller. Vor dem Hintergrund ihrer Erfahrung in einem international vernetzten mittelständischen Unternehmen sieht sie die Lösung in unserer Kreativität: "Es ist richtig, dass wir im internationalen Vergleich was die Investitionsmasse und auch unsere Infrastruktur betrifft schlechter dastehen. Aber es braucht manchmal nur einen qualitativen Impuls aus einem innovativen Unternehmen, der einen sehr entscheidenden Einfluss haben kann."Ein Student des dualen Ausbildungssystems der NORDAKADEMIE fragt nach, wie es auch kleine und mittlere Unternehmen schaffen können, KI für sich zu nutzen. Romy Möller: „Es braucht den einen Treiber, die eine Person, die Digitalisierung im Unternehmen vorantreibt. Und eine Führungsebene, die dafür die Rahmenbedingungen bietet, die Etablierung einer innovativen Unternehmenskultur erlaubt und den Mut hat, Querdenker bzw. Visionäre ins Unternehmen zu holen." Bei den Veränderungsprozessen in Unternehmen geht es nicht ohne Reibung. Im Gegenteil, es braucht diese sogar. Mit den Worten Schumpeters muss es darum gehen „… kreative bzw. schöpferische Zerstörung zu schaffen, die wiederum Treiber von Innovation ist – unabhängig davon, welche Technologie dafür verwendet wird.“

Hier gelangen Sie zur Mediathek von Hamburg1, in der Sie alle Folgen sehen können.