28.11.2018

Norddeutsche Wirtschaftsgespräche zum Thema „Können Unternehmen böse sein? – Die deutsche Wirtschaft und ihre Reputation“

Von Volkswagen über Heckler & Koch bis zur Deutschen Bank; von Monsanto/Bayer über die HSH Nordbank bis zu Daimler: Die Liste von deutschen Unternehmen, die derzeit Probleme mit der Reputation haben, ist lang. Woran liegt das? Ist es das Ergebnis eines „Raubtierkapitalismus“, in dem Unternehmen nur noch an sich selbst und möglichst hohe Gewinne denken? Liegt es lediglich an einer gestiegenen Anspruchshaltung der Gesellschaft an die Wirtschaft, immer ethisch korrekter und sozialer agieren zu müssen? Oder ist es schlicht eine zufällige Aneinanderreihung von Einzelfällen, die unglücklicherweise in der heutigen Zeit kumulieren?

Norddeutsche Wirtschaftsgespräche zum Thema „Können Unternehmen böse sein?"


Von Volkswagen über Heckler & Koch bis zur Deutschen Bank; von Monsanto/Bayer über die HSH Nordbank bis zu Daimler: Die Liste von deutschen Unternehmen, die derzeit Probleme mit der Reputation haben, ist lang. Woran liegt das? Ist es das Ergebnis eines „Raubtierkapitalismus“, in dem Unternehmen nur noch an sich selbst und möglichst hohe Gewinne denken? Liegt es lediglich an einer gestiegenen Anspruchshaltung der Gesellschaft an die Wirtschaft, immer ethisch korrekter und sozialer agieren zu müssen? Oder ist es schlicht eine zufällige Aneinanderreihung von Einzelfällen, die unglücklicherweise in der heutigen Zeit kumulieren?

Haben wir eine Übermoralisierung der Gesellschaft?

Prof. Dr. Daniel Graewe, Vorstand der NORDAKADEMIE-Stiftung und Leiter des Studiengangs Wirtschaftsrecht an der NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft leitete die Diskussionsrunde und stellte zu Beginn provokante Fragen: Ist es noch möglich, dass Politik und Wirtschaft sich noch richtig verhalten können? Haben wir es mit einer Übermoralisierung der Gesellschaft zu tun? Fabio de Masi verneint und glaubt an einen Fortschritt durch mehr Detailregelungen. Ein Problem sieht er eher darin, dass der Einzelne auf Grund der komplexen Regelungen überfordert sei. Ganz anderer Meinung ist Jan Fleischhauer, es gäbe mehr Druck auf die Unternehmen, eine kollektive Hysterie, die gesamtwirtschaftliche Folgen habe. Bei der Automobilindustrie seien wir auf Grund der Skandalisierung bereits an der Grenze. Das Wesen der Politik bestehe in der Emotionalisierung anhand von kleinen Themen, etwa dem „Hambacher Forst“.

Neu und erschreckend ist die Skandalisierung von Themen in hoher Geschwindigkeit. Die Kommunikationsabteilungen von Unternehmen müssen sich besser aufstellen, sie reagieren vielfach zu langsam, stellt Jan Fleischhauer gegen Ende der Veranstaltung fest. Dies habe gravierende Auswirkungen. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der hypermoralisiert wird“, so sein Fazit und verneint damit die Frage von Daniel Graewe, ob es nicht auch positiv sei, dass Menschen jetzt die Macht haben, etwas in den Medien hochzuschaukeln.

Im Anschluss an zahlreiche interessante Fragen aus dem Publikum gab es ein angeregtes Get-Together bei Canapés und Wein.