26.10.2021

Erster Stiftungstag der NORDAKADEMIE Stiftung

Die NORDAKADEMIE Stiftung präsentiert im Rahmen ihres ersten Stiftungstags interessante Ergebnisse der von ihr geförderten Projekte.

Im Rahmen einer Präsenzveranstaltung werden im Dockland an der Elbe rund hundert angemeldete Gäste erwartet, die sich einen eigenen Eindruck verschaffen wollen, was die von der NORDAKADEMIE gAG Hochschule der Wirtschaft 2017 gegründete Stiftung in ihren Anfangsjahren geleistet hat.

Neben einer Reihe von Postersessions zu Themen der Nachhaltigkeit, der Stadtentwicklung und des Kulturbereichs werden in insgesamt neun Kurzbeiträgen einige der in den letzten vier Jahren geförderten Stiftungsprojekte vorgestellt:

Dr. Jürgen Stehn, Koordinator wirtschaftspolitische Außenbeziehungen, Institut für Weltwirtschaft (IfW), Kiel präsentiert das Projekt „Norddeutschland und die Corona-Krise: Wirtschaftliche Folgen und wirtschaftspolitscher Handlungsbedarf“.

Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, die strukturelle Entwicklung Hamburgs und Schleswig-Holsteins in der Corona-Krise anhand empirischer Analysen zu skizzieren. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Wirtschaft sowohl in Hamburg als auch in Schleswig-Holstein von der Corona-Krise spürbar getroffen wurde, wie deutliche Rückgänge des Bruttoinlandsprodukts und Eintrübungen auf dem Arbeitsmarkt zeigen. Dabei gab es jedoch erkennbare Unterschiede: Während Hamburgs Wirtschaftsleistung wie im Bundesdurchschnitt schrumpfte, war Schleswig-Holsteins Wirtschaft aufgrund der Branchenstruktur weniger krisenanfällig und verzeichnete deutlich geringere Einbußen. Dies gilt auch für den Tourismus, der in Hamburg von der Krise stärker betroffen war als in Schleswig-Holstein.

Angesichts der starken wirtschaftlichen Einbrüche kam den Wirtschaftshilfen des Bundes eine große Bedeutung zu, um die hohen finanziellen Verluste zumindest teilweise auszugleichen. Eine tiefgehende Analyse der Hilfsprogramme zeigt jedoch, dass sie diesem Anspruch nur bedingt gerecht werden konnten, da sie zu stark auf Kosten und Umsätze abzielten und nicht auf die für betroffene Unternehmen deutlich wichtigere Entwicklung der Betriebsergebnisse.

Prof. Dr. David Scheffer und Dirk Johannßen, NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft sowie Prof. Dr. Zahurul Islam, Head of Computerlinguistics CAPTA Institut stellen ihr Projekt vor „CAPTA – Analyse politischer Akteure von der Distanz: Wie Künstliche Intelligenz die Motive und kognitiven Stile von Politikerinnen, Politikern und politischen Parteien verstehen hilft“. Sie zeigen, dass die erstmalig an der Harvard University von David McClelland entwickelte Methode der Thematischen Apperzeptionstests durch moderne Ansätze des Machine und Deep Leanring automatisiert werden können. Texte verschiedener Herkunft, seien es aus Interviews, aus schriftlichen Antworten, aus social media accounts oder aus politischen Reden können heute durch an annotierten Daten entwickelten Maschinenmodellen psychologisch analysiert werden. Es zeigen sich dadurch tiefenpsychologisch fundierte Profile von Politikerinnen und Politikern, die für die Prognose von Entscheidungen genutzt werden können. Es werden praktische und ethische Implikationen reflektiert und Perspektiven aufgezeigt.

Das Forschungsprojekt „The Supply Chain of the 21st Century“ ist eine Kooperation zwischen der Copenhagen Business School und der NORDAKADEMIE – Hochschule der Wirtschaft, in der es sowohl um die Themen Nachhaltigkeit und zirkuläres Wirtschaften als auch soziale und ethische Aspekte von Supply Chains geht. Als Ergebnisse aus diesem Projekt sind neben gemeinsamen Veröffentlichungen, Konferenzbeiträgen und einer Webinar-Reihe (reimaginingsupplychains.net) auch konkrete Lehrkonzepte zur Vermittlung von Konzepten und Methoden der Circular Economy entstanden, die an beiden Hochschulen zum Einsatz kommen. Nach einer kurzen Einführung von Prof. Dr.-Ing. Frank Fürstenberg präsentiert Amanda Bille ihr Promotionsvorhaben, das aus mehreren verschiedenen Artikeln besteht, die auf verschiedenen Konferenzen vorgestellt wurden. Alle Artikel tragen zum Gesamtziel ihrer Forschung bei: eine Brücke zwischen Supply Chain Management und Politikwissenschaft zu schlagen. Daneben gibt Amanda Bille einen Einblick in den zweiten Artikel ihrer Dissertation über soziale Nachhaltigkeit während der COVID-19-Pandemie. So erläutert sie wichtige Erkenntnisse ihrer Forschung, einschließlich der Tatsache, dass SCM zunehmend politischer wird und sich der Anwendungsbereich der Disziplin ausweitet.

Prof. Dr. Michael Fretschner, MBR und Dipl.-Ing. Steffen Heim präsentieren ihr Projekt „Entwicklung einer länderübergreifenden Vertrauensskala für Medienmarken“. In einer von Information Overload geprägten Welt werden Werbekontakte immer kürzer. Entsprechend steigt die Bedeutung des Kontexts und Umfelds, in dem Werbung stattfindet. Die Qualität des Umfelds wiederum bemisst sich hauptsächlich durch Vertrauen in dem medialen Content. Doch wie kann man ein hypothetisches Konstrukt wie „Vertrauen“ überhaupt richtig messen und wie wird das momentan gemacht? Welche Messansätze gibt es bereits in Forschung und Praxis? Und wenn man Vertrauen valide messen kann, wie kann man es dann managen und welche Werbewirkungseffekte darf man erwarten? Der Impulsvortrag soll aufzeigen, warum Vertrauen die neue Währung der Werbewirkung werden kann.

Die Nutzung digitaler Plattformen wie z.B. AirBnB, Uber oder Lieferando sind bereits Bestandteil unseres Alltags geworden und nicht mehr wegzudenken. Prof. Dr. Leo Brecht, Professor für Entrepreneurship & Technologie an der Universität Liechtenstein, Dr. Ferdinand Thies, Forschungsprofessor an der Universität Bern, Dr. Niklas Bayrle (Universität Ulm) sowie Arabella Stock (Universität Liechtenstein) haben sich im Projekt "Lokale Effekte globaler digitaler Plattformen" die Frage gestellt, wie diese globalen digitalen Plattformen sich verbreiten und welche Effekte sie auf den lokalen Wirtschaftsraum haben. Entgegen der Negativ-Schlagzeilen zeigt sich, dass die

digitalen globalen Plattformen auch positive Auswirkungen auf die Region haben können. Diese zu nutzen bedingt Innovation, Offenheit und Kooperationswille seitens Gesetzgeber, Politiker und lokalen Unternehmen: Positionierungen müssen überdacht, Partnerschaften eingegangen und Regularien diskutiert werden. Eines ist auf jeden Fall klar: Die lokale Wirtschaft verändert sich.

Prof. Dr. Daniel Graewe wirft in seinem Vortrag „Environment, Social & Governance (ESG): Haftungs-GAU für Unternehmer die Frage auf, welche Handlungsoptionen für das Management bestehen. Graewe geht in diesem Rahmen auf die folgenden Punkte ein:

  • In den letzten vier Jahren gab es in der EU und Deutschland über 170 Regulierungsmaßnahmen für Unternehmen im Bereich ESG – Tendenz steigend.
  • Unternehmen können aber schon heute die zahlreichen Regulierungsvorgaben immer schwieriger in der aktuellen Entwicklung verfolgen und am Ende rechtskonform im Unternehmen umsetzen.
  • Jeder Geschäftsleiter muss aber dafür Sorge tragen, dass das Unternehmen so organisiert und beaufsichtigt wird, dass keine Gesetzesverletzungen stattfinden; andernfalls handelt er pflichtwidrig und macht sich haftbar.

Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen der Universität Hamburg präsentiert das Projekt „Neuvermessung der Welt – Quantifizierung der Wertschöpfung im Zeitalter der Digitalisierung“. Auf der Grundlage des bei Hamburg University Press im September 2021 erschienenen Buches „Neuvermessung der Datenökonomie“ erläutert er, wie sehr der Urmeter der Ökonomie, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), im Zeitalter einer digitalen Datenökonomie kaum mehr das Maß aller Dinge sein kann. Zu stark sind die durch technologische Fortschritte verursachten grundsätzlichen Mängel des BIP-Konzepts. Nicht erst seitdem das Coronavirus viele alte Gesetzmäßigkeiten in Frage stellte, bestanden Zweifel, wieweit Messverfahren aus der Hochzeit der Industrialisierung dem strukturellen Wandel zunächst zu einer Dienstleistungsgesellschaft, später zu einer Digitalwirtschaft und nun zu einer Datenökonomie gerecht werden (können). Vielmehr drängt(e) sich an mancher Stelle eine Neuorientierung auf.

Der Stiftungstag bietet zugleich eine exzellente Plattform, sich für die wertvolle Unterstützung bei den Stakeholdern, insbesondere der NORDAKADEMIE gAG, Hochschule der Wirtschaft sowie allen Partnerinstitutionen in Forschung und Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit zu bedanken. Zum Schluss der Veranstaltung wird Herr Prof. Dr. Georg Plate mit großem Dank für seine Verdienste für die NORDAKADEMIE-Stiftung vom Stiftungsratsvorsitzenden, Prof. Dr. Thomas Straubhaar, verabschiedet.