Interview mit dem Stiftungsvorstand

Prof. Dr. Georg Plate (links) und Jörg Meier, die den geschäftsführenden Vorstand der NORDAKADEMIE-Stiftung bilden, mit der Gründungsurkunde der Stiftung

Im Spätsommer 2017 wurde die NORDAKADEMIE-Stiftung gegründet. Die campusforum-Redaktion hat sich mit dem Initiator der Stiftungsgründung und Vorstand der NORDAKADEMIE Prof. Dr. Georg Plate unterhalten.

Professor Plate, was war der Anlass für die Gründung der NORDAKADEMIE-Stiftung?

Die Stiftung soll entsprechend ihrer Satzung überwiegend in Bereichen tätig sein, die nicht unmittelbar zum Kerngebiet der NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft gehören. Primäre Aufgabe der Hochschule ist es, gemeinsam mit ihren rund 350 aktiven Kooperationsbetrieben duale Studiengänge durchzuführen, hinzu kommen berufsbegleitende Masterstudiengänge an der NORDAKADEMIE Graduate School. Die Stiftung hingegen fördert in erster Linie Wissenschaft und Forschung. Hierbei können natürlich auch Projekte der NORDAKADEMIE selbst unterstützt werden, die ja über Studium und Lehre hinaus auch einen generellen Forschungsauftrag hat.

In Betracht kommen aber auch Forschungsvorhaben anderer Hochschulen und sonstiger wissenschaftlicher Einrichtungen, diese wiederum gerne auch in Kooperation mit unserer Hochschule.  

Was ist in Kurzform überhaupt eine Stiftung?

Eine Stiftung ist eine selbstständige juristische Person, genauer gesagt ein verselbstständigtes Zweckvermögen. 95 % der Stiftungen in Deutschland sind dazu auch noch von der Finanzverwaltung als gemeinnützige Einrichtung im Sinne der §§ 51 ff. der Abgabenordnung (AO) anerkannt, so wie die NORDAKADEMIE gemeinnützige Aktiengesellschaft übrigens auch.

Steuerlich begünstigt sind dabei nur Tätigkeitsfelder, die in §§ 52 bis 55 AO erfasst sind. In § 52 AO wird übrigens die Förderung von Wissenschaft und Forschung gleich als erster Zweck genannt.

Nach Genehmigung durch die zuständige Stiftungsaufsicht – in Schleswig- Holstein angesiedelt beim Innenministerium – und Einzahlung des Stiftungsvermögens besitzt die Stiftung eine eigene Rechtsfähigkeit, nicht zuletzt gehört der Stiftung dann das Stiftungskapital, dieses kann also im Regelfall nicht vom Stifter zurückgefordert werden.

Vertreten wird die Stiftung durch den Stiftungsvorstand; bei vielen Stiftungen gibt es darüber hinaus ein Aufsichtsgremium, im Falle der NORDAKADEMIE ist dies der sog. Stiftungsrat. Ab einer gewissen Größenordnung, in die die NORDAKADEMIE-Stiftung eines Tages durchaus hineinwachsen kann, ist es außerdem möglich, sich einer dreistöckigen Struktur zu bedienen, z. B. mit einer hauptberuflichen Geschäftsführung, einem Stiftungsvorstand für übergeordnete Themen und Entscheidungen sowie einem Stiftungsrat als beratendem Gremium.

Welche Projekte werden durch die Stiftung gefördert?

Ideal sind vor dem Hintergrund einer Einbeziehung der NORDAKADEMIE natürlich Themen, die sich in den auch an unserer Hochschule vertretenen Bereichen – also Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Informatik sowie Psychologie und Recht – bewegen. Wünschenswert, aber keine Bedingung ist ein gewisser Praxisbezug der Projekte, da die Stiftung wie die Hochschule der Philosophie „Von der Wirtschaft für die Wirtschaft“ folgen sollte.

Fantastisch wäre, wenn darüber hinaus das ein oder andere „Leuchtturmprojekt“ dabei wäre. Immerhin stellt die NORDAKADEMIE nicht unerhebliche Mittel für die Stiftung bereit; da ist es sicherlich legitim, dass der Stifter auch ein wenig von der Öffentlichkeitswirkung der Forschungsergebnisse profitiert.

Darüber hinaus kann die Stiftung auch Vorhaben aus den Bereichen Bildung und Kultur fördern.

Kommen wir auf den Schwerpunkt Bildung und Kultur zu sprechen. Welche Projekte fördert die Stiftung hier?

Bei „Bildung“ ist in erster Linie schulische Bildung gemeint. Gefördert werden können somit Projekte und interessante Initiativen an Schulen, wobei Gymnasien besonders im Fokus stehen. Auch die Vergabe von Förderpreisen für besonderes Engagement an Schulen ist denkbar. In diesem Bereich kooperiert die Hochschule bereits mit anderen Stiftungen, z. B. bei dem Wettbewerb „Formel 1 in der Schule“ mit der NORDMETALL-Stiftung. Dabei hoffen wir natürlich, dass die NORDAKADEMIE indirekt von Aktivitäten der Stiftung im schulischen Bereich profitiert. Die Schüler von heute sind ja bekanntlich die Studenten von morgen.

Beim Förderschwerpunkt „Kultur“ sollen vorrangig Veranstaltungen gefördert werden, die im Umfeld der NORDAKADEMIE stattfinden. Der Percussion-Workshop mit Martin Grubinger, der im Juli dieses Jahres mit 80 Kindern und Jugendlichen auf dem Campus durchgeführt wurde, wäre hier als ein gutes Beispiel zu nennen.

Wie viel Kapital steht der Stiftung zu Beginn zur Verfügung?

Die Stiftung verfügt über ein erstes Stiftungskapital in Höhe von zwei Millionen Euro, welches dauerhaft erhalten bleiben muss. Für die Förderung von Projekten können in Bezug auf das Stiftungskapital nur dessen Erträge verwendet werden, die angesichts des derzeitigen Zinsniveaus ja eher bescheiden ausfallen werden. Erfreulicherweise verfügt die Stiftung darüber hinaus über ein sog. „Verbrauchsvermögen“, eben- falls in Höhe von zwei Millionen Euro, welches unmittelbar zur Förderung von Projekten verwendet werden kann.

Wie ist die Stiftung organisiert?

Das Tagesgeschäft – also die Verwaltung der Stiftung inklusive Buchführung, Finanzierung, Rechenschafts- legung gegenüber dem Finanzamt und der Stiftungsaufsicht, Pflege der Homepage, Öffentlichkeitsarbeit etc. – ist beim Vorstand der Stiftung, also bei Jörg Meier und mir, angesiedelt, wobei die Hauptarbeit bei mir als Vorsitzen- dem des Stiftungsvorstandes liegen wird. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Stiftungsvorstands wird natürlich die Prüfung und Bewilligung von Förderanträgen sein, darüber hinaus wird der Vorstand auch Ideen für eigene Projekte entwickeln und Kooperationen, z. B. mit anderen Stiftungen, eingehen.

Dem Vorstand zur Seite steht der Stiftungsrat, der die Mitglieder des Vorstandes wählt und dessen Tätigkeit überwacht. Darüber hinaus gibt der Stiftungsrat Empfehlungen für die Verwaltung des Stiftungsvermögens und die Verwendung der Stiftungsmittel ab und genehmigt den Haushaltsplan, die Jahresrechnung sowie den Tätigkeitsbericht des Vorstands.

Die Mitglieder des Vorstands und des Stiftungsrates sind ehrenamtlich tätig.

Wer kann sich bewerben und wie läuft das Bewerbungsprozedere ab?

Förderschwerpunkt der Stiftung wird der Bereich Wissenschaft und Forschung sein. Hier können sich gerne Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder auch Lehrstühle bei uns mit Projektideen melden. Wenn die Thematik grundsätzlich interessant ist, kann eine offizielle Bewerbung eingereicht werden, die nach dem üblichen Schema bei der Beantragung von Drittmitteln aufgebaut sein sollte. Hierzu wird dann der Präsident der Hochschule gutachterlich Stellung nehmen. Je nach Komplexität des Themas und auch der Höhe der beantragten Mittel werden ggf. weitere Gutachten eingeholt und der Stiftungsrat einbezogen. Die abschließende Entscheidung trifft dann der Vorstand.

Bei den weiteren Förderbereichen Bildung und Kultur können ebenfalls Vorschläge eingereicht werden, die im Regelfall nicht von Privatpersonen, sondern von Institutionen stammen sollen, also z. B. von Gymnasien bzw. von kulturellen Einrichtungen. Vorrangig wird die Stiftung Projekte fördern, die eine überregionale Bedeutung und Ausstrahlung haben. Nach derzeitigem Stand werden die meisten Initiativen für Projekte in den Bereichen Bildung – hier vor allem schulische Bildung – sowie Kultur vom Vorstand der NORDAKADEMIE-Stiftung ausgehen.

Gibt es schon erste Projektanträge?

Erfreulicherweise liegen bereits Anträge für Forschungsprojekte vor. Über diese wird wahrscheinlich im 1. Quartal 2018 entschieden werden können.

Wo sehen Sie die Stiftung in fünf Jahren?

Bis dahin sollten die ersten Förderprojekte abgeschlossen sein – möglichst mit interessanten Ergebnissen, die auch in der Öffentlichkeit wahrgenom- men werden.

In Verbindung damit sollte sich die NORDAKADEMIE-Stiftung so weit etabliert haben, dass sie in der Scientific Community, aber auch im schulischen und kulturellen Bereich als interessanter und verlässlicher Partner gilt. Insgesamt sollte es bis 2022 gelungen sein, der Stiftung ein eigenständiges Profil in der Stiftungslandschaft in Schleswig-Holstein und Hamburg zu geben, in dem die Förderungsphilosophie einerseits, aber auch die Nähe zur NORDAKADEMIE zum Ausdruck kommt.

Das vollständige Interview und eine Übersicht der Mitglieder des Stiftungsrates finden Sie in der aktuellen Ausgabe des campusforum. 


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